Moderne Autos

In den letzten Tagen hatte ich die Gelegenheit mit einem ziemlich neuen VW Passat Variant herumzufahren. (Leihauto für Dienstfahrt nach Wien, statt Firmenauto)

So ein gut ausgestattetes neues Fahrzeug hat sehr sehr viele Knöpfe. Alles funktioniert elektronisch – naja, fast alles.
Schlüssel muss nur mehr da sein, und wird nirgends rein gesteckt, es gibt einen Start/Stopp Knopf, die „Handbremse“ (jetzt passt die Bezeichnung „Feststellbremse“ eindeutig besser) ist nur noch ein Bedienelement – in dem Fall ein kleiner Hebel, das Infotainment-System ist toll, das Navi ist toll, Sensoren für Annäherung (parken, aber auch Kolonne), adaptives Kurvenlicht (super!), Regensensor (manchmal weiß man zwar gar nicht warum da jetzt gewischt wird, aber ein Tropferl wird den Sensor schon berührt haben). Echt super diese Technik!

Bild von http://www.speedheads.de/, und die haben es von VW

Sooo viele Knöpfchen!
Bild von http://www.speedheads.de/, und die haben es von VW

Meine einzige Hürde bei der Inbetriebnahme war dann der Seitenspiegel. Der wurde von der Person, die das Auto abgestellt hatte, eingeklappt. Da ja fast alles (außer einer analogen Uhr in der Mittelkonsole, siehe Bild) elektronisch und über ein Knopferl zu bedienen ist oder aber automatisch funktioniert, dachte ich natürlich, dass auch der Spiegel sich in seine Standardposition bewegen würde, bei Start. Aber nein. Dann vielleicht beim Wegfahren? Nein.
So stand ich dann eine Weile auf dem Parkplatz, suchte nach Knöpfen, öffnete das Fenster (mit Knopferl natürlich) und zog ein bisschen am Spiegel, suchte weiter im Inneren, startete noch mal, stieg aus und drückte in verschiedene Richtungen (man geht da ja vorsichtig um mit so einem Teil, nicht dass da was eingerastet ist und man bewegt das dann mit Gewalt!), stieg wieder ein, überlegte wenn man anrufen kann oder ob das Infotainment System auch eine Onboard Bedienanleitung parat hat… Ich verbrachte sicher sieben Minuten meiner wertvollen Zeit mit diesem Problem.

Dann wurde es mir zu bunt und ich riskierte noch mal einen beherzten, analogen, Griff zum Spiegel und wie durch Magie (und Körperkraft) bewegte er sich in die richtige Position. Verdächtiges Knacksen war keines zu hören, und auch das Einstellen des eigentlichen Spiegels funktionierte noch mit – ihr ahnt es – den Knöpfchen.

Das zwar sicher sehr intelligente Navi wurde für die Heimfahrt dann noch über eine Middleware (mich) mit der Navigation von Google Maps verbunden: durch integrierte Verkehrsinfos wurden Staus zwar angezeigt, aber eine Funktion zum Vermeiden ebenjener fand ich nicht. Maps gab mir eine alternative Route, diese wurde dann mit Zwischenzielen dem VW Navi eingebläut und die Heimfahrt konnte problemlos stattfinden, vorbei an drei Staus, einer davon 20km lang.

Schöne neue Automobilwelt, wo fast alles automatisch oder über einen Knopf passiert.

Passend dazu eine kleine Anekdote:
Letztens wurde in einem Gespräch bei einem Familientreffen erwähnt, dass bei jemandem die Batterie während der Fahrt leer wurde, weil die Lichtmaschine kaputt war. Daraufhin musste das Fahrzeug (Motorrad in dem Fall, aber das tut nichts zur Sache) abgeschleppt werden. Ich war darüber sehr erstaunt. Ich dachte, wenn der Motor läuft, dann läuft das Fahrzeug. Geht der Strom weg, geht vielleicht das Licht oder das Radio etc. aus, aber doch nicht der Motor. Nun, da ja alles (fast alles…) mittlerweile elektronisch gesteuert wird, funktioniert natürlich auch der Motor ohne Steuersignale nicht mehr. Das leuchtet dann schon wieder ein – aber das fest verankerte Wissen, wie so ein Motor mit Kolben und Treibstoff und Explosion/Verbrennung funktioniert, das wurde über den Haufen geworfen.
Ergo: alle modernen (Kraft-)Fahrzeuge sind Hybridfahrzeuge und funktionieren ohne Strom einfach nicht mehr!

7 thoughts on “Moderne Autos

  1. Eigentlich gibt es zum Ausklappen der Spiegel in der Fahrertür einen kleinen, unauffälligen Knopf geben – gleich bei den „Cursor“ Tasten für die Außenspiegelverstellung. Vielleicht ist das bei VW aber anders..

  2. Interessant, dass Du Dich dafür begeistern kannst. Die Berliner Hipsterszene prophezeit ja gerade sehr lautstark den Untergang des Autos. Oft vorgetragen wird das Argument, dass für heutige Nutzer die Software und die Bedienexperience entscheidend sei, und die Autohersteller da Jahrzehnte hinterherhängen und deswegen bald von Google oder Apple vernichtet werden. Nach dem Motto: „Wie soll jemand, der mit einem Smartphone große geworden ist, die Bedienkonzepte heutiger Autos sexy finden“.

    • Was meinst du mit „begeistern“?
      Ich mag Technik, und insbesondere Technik die mir hilft, das dürfte nichts neues sein. Ich fahre halt selten mit so gut ausgestatteten Autos. Mehr fasziniert als die ganze moderne Technik hat mich die Tatsache, dass manches eben noch/doch nicht elektronisch umgesetzt ist.

      Und was meinen die Hipster, was das Auto ersetzen wird? Ein smarter Roboter wird mich wohl auch in den nächsten 30 Jahren nicht per Sänfte zwischen Heim und Arbeit befördern?
      Ich muss nix sexy finden, ich muss von A nach B wo es keine Öffis gibt :)

      • Das geht bei denen stark Richtung Sharing Economy in Tateinheit mit Dominanz der Software – also doppelt disruptiv, Hardware spielt keine Rolle mehr, die Software trägt die Entscheidung für oder gegen ein Produkt. Autos muss man nicht mehr besitzen, sondern nimmt sie sich aus einem Pool, wenn man eines braucht. Und klar, selbstfahrend und sprachgesteuert sollten sie selbstverständlich sein.

        Sharing ist ein durchaus sinnvoller Ansatz, ohne Frage, aber durch das gleichzeitige Ausschließen aller anderen Modelle erkennt man, dass diese Theorie von Großstadtbewohnern ausgeheckt wurde, die zu lange nicht mehr rausgekommen sind.

      • Stimme zu. Hab mich ja beruflich auch mit Sharing beschäftigt, und für Städter ist das eine großartige Sache. Manche vergessen halt auch gern dass die Milch nicht aus dem Tetrapak kommt ;-)

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